January 30th, 2010

Kaum hat man die Feiertage hinter sich gelassen, ist auch schon der erste Monat des Jahres wieder vorbei.
News zur Webseite gibt es 2010 immer rückblickend für einen Monat, nachdem mir einige Leute mitgeteilt haben, dass sie sich für bestimmte angekündigte Kritiken interessieren, dies aber im Monatsverlauf wieder vergessen. Also ist jetzt schon alles griffbereit, wenn der Newsletter ins Mailfach schneit.

Im Januar gab es auf der Seite Kritiken zu:
- Necrophobia (Anthologie aus dem Festa-Verlag) als Tipp des Monats
- Florian F. Marzin: Das Voynich-Rätsel
- Brigitta Hügel: Home Basics
- Tine Wittler: Einsatz in 4 Wänden
- E. J. Kirk: Hinter dem Wandschrank
- C. S. Lewis: Das Wunder von Narnia (Audio)
- Tess Gerritsen – Die Chirurgin (Audio)
- Jincy Willett: Die Dramaturgie des Tötens
- Torey L. Hayden: Jadie
- Daniel Depp: Stadt der Verlierer (vornehmlich Audio)
- Neil Gaiman: Death – Der Preis des Lebens
- Allison Pearson: Working Mum
- Alan Bennett: Così fan tutte
Schaut sie euch bei Interesse mal an.

Der Februar ist bekanntlich der kürzeste Monat des Jahres, und auch die Webseite hält sich daran. Geplant habe ich eine Kritik oder einen Artikel alle drei Tage, so dass ungefähr zehn neue Artikel im Februar erscheinen werden.
Ähnlich wird es auch im März aussehen, soviel kann ich wohl schon verraten.
Derzeit habe ich ziemlich viel Lernstoff zu bewältigen und entsprechend wenig Zeit für andere Dinge (die teils mehr Spaß machen ;)).

January 27th, 2010

Eine kurze Besprechung zu einem kurzen Büchlein mit nur 111 Seiten; eine Wiederauflage der Erzählung von 2009 im Wagenbach-Verlag:

cosi

Mr und Mrs Ransome sind miteinander verheiratet, sich aber doch sehr fremd. Sie reden kaum miteinander, gehen förmlich miteinander um und verhalten sich so, wie Mr Ransome, ein höchst korrekter Anwalt, dies für sie beide, ihren Stand und den Londoner Vorort für angemessen hält. Das einzige, das die beiden verbindet, ist in gewisser Weise Mozart. Mr Ransome liebt Mozart und lässt keine Gelegenheit aus, sich vor allem Così fan tutte anzuhören.
Eines Tages, als das Ehepaar von einer Aufführung von Mr Ransomes Lieblingsoper aus dem Theater heimkehrt, stellen die beiden fest, dass bei ihnen eingebrochen wurde. Die Einbrecher haben nichts zurückgelassen in der Wohnung – nicht einmal den Toilettenrollenhalter geschweige denn das entsprechende Papier.
Während Mr Ransome außer sich ist und alles daran setzt, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen, zu ersetzen, wieder herbei zu schaffen und so weiter, bemerkt Mrs Ransome, dass sie sich eigentlich mit der neuen Situation recht wohl fühlt. Sie verspürt ein Gefühl zu leben und blüht vorsichtig auf, doch dann überschlagen sich die Ereignisse, Hab und Gut tauchen wieder auf und neue Tragödien treten in ihr Leben …

Wärmstens von einer Arbeitskollegin empfohlen, habe ich dieses schmale Buch nicht lang liegen lassen, und über etwa zwei Drittel des Buches habe ich mich auch ziemlich über den feinen Humor amüsiert, auch wenn darin bereits ein paar traurige Töne mitmischen.

Letztlich gibt es, soviel kann ich vielleicht verraten, kein Happy End, wie man es sich vielleicht vorstellt oder wünscht, und genau das ist es, was mir an dem Buch so gar nicht gefallen hat und durch den vorhandenen Humor auch nicht aufgewogen wird – für mich zumindest nicht.

“Die Moral von der Geschicht” gefällt mir einfach nicht, und das über die Lektüre hinausgehende Lustige ist eigentlich der Titel selbst, da doch die größte – und einzige – Leidenschaft von Mr Ransome, eben die Titel gebende Oper von Mozart – so gar nicht zum Verlauf seines Lebens passen will.

Naja, wer sich selbst ein Bild machen möchte:

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January 25th, 2010

Working Mum” von Allison Pearson gehört zu den Titeln mit nachhaltigerer Wirkung, als man sie ihnen zutraut. Kennen gelernt habe ich diesen Buchtitel als Hörbuch von Hörbuch Hamburg 2004, erhältlich ist er auf jeden Fall noch als dritte Buchauflage des Rowohlt-Verlages.

workingmum

Im Grunde seichte Kost, aber … ich fang mal vorne an:

Kate Reddy ist nicht nur eine der führenden Kräfte eines Londoner Investmentunternehmens, sondern zudem auch verheiratet und Mutter zweier Kinder. Trotzdem so einiges passiert im Verlauf des Hörbuches, ist dies eigentlich der Kern des Ganzen und alles andere eher schmückendes Beiwerk, wenn es darum geht, den Alltag und die Probleme einer Mittdreißigerin in eben dieser Situation zu beschreiben.

Das Audiobook ist hauptsächlich aus Kates Gedankenwelt entnommen. Sie ist es, die Situationen beschreibt, erklärt und kommentiert und schon nach den ersten fünf Minuten hat man ein klares Bild dieser Frau vor Augen und ist bereit, mit ihr zu lachen und zu weinen.
Doch sie erzählt nicht einfach nur von alltäglichen Begebenheiten, sondern lotet sie weiter aus, verliert sich in Gedanken wie dem, dass sie einem gekauften Kuchen unbedingt noch etwas Eigenes zufügen muss, um nicht ihre Tochter zu blamieren, bei den anderen Müttern ins Gerede zu kommen, sich selbst zu beweisen und nicht zuletzt die Gunst der Klassenlehrerin nicht zu verlieren, wenn es in einigen Jahren um die Auswahl der geeigneten weiterführenden Schule für ihre Tochter gehen soll.
Gerade dieses Abschweifen ist es, was dieses Hörbuch unglaublich lebendig macht und sehr nahe an einen heran trägt.
Auch die Gedanken, die die Protagonistin sich abends im Bett macht, die von der Notwendigkeit, einen neuen Teppich zu kaufen über den Stand bestimmter Aktien innerhalb einer einzigen Minute bis zu fehlendem Toilettenpapier reichen, haben einen hohen Wiedererkennungswert, was die eigene Person, also die des Hörers – oder hier wohl mehr der Hörerin – angeht.
Die vielen eMails, die Kate mit diversen Leuten, meist Freundinnen, austauscht, sind ebenfalls unterhaltsam und fügen sich ins Gesamtbild, allerdings ist hier das Mitlesen bestimmter Kürzel und Eigenarten, wie ein “XXXXXXXX” am Ende einer solchen eMail durch die Masse der verlesenen (in der Hörbuchversion zumindest) schnell nervtötend.

Dies ist aber auch der einzige Kritikpunkt, denn ein weiterer, den ich schon recht zu Anfang des Buches ankreidete, verpufft in der Luft. Natürlich soll nicht alles bereits verraten werden, trotzdem der Hinweis, dass Kate nach kurzem bereits einen Mann kennen lernt, in den sie sich verliebt. Meine bestürzten Gedanken spulten die Geschichte gleich weiter vor: Sie beginnt eine Affäre, verlässt Mann und Kind, widmet sich ganz dem neuen Mann, bleibt erfolgreich im Geschäft, nur um dann entweder festzustellen, dass sie wieder in den gleichen Trott kommen wird und bereut oder aber, dort wird die Geschichte geschlossen und lässt den Hörer mit diesem offenen Ende unbefriedigt zurück.
Tatsache, und das ist mit das Schönste an dem Ganzen: Nein, so ist es nicht, so wird und kommt es nicht.
Die Autorin Allison Pearson hat eine wunderbare Grätsche geschafft beim Verfassen dieses Buches, bei dem am Ende einfach eine sehr schöne Geschichte steht, die aber weder ausnahmslos für berufstätige Mütter, noch gegen sie spricht. Sehr gelungen!

Gesprochen wird das gesamte Hörbuch von Nina Petri, die unter anderem aus der TV-Serie “Rote Erde” bekannt ist, mittlerweile aber auch zahlreiche Hörbücher eingesprochen hat, und auch diese Wahl ist eine ausgezeichnete gewesen. Wahrscheinlich ging es der Sprecherin wie mir und vielen anderen wohl auch, dass sie ein Stück von sich selbst in der Protagonistin entdecken konnte, denn sie spricht sie von vorn bis hinten überzeugend, ganz egal, welche Gefühle gerade im Vordergrund stehen.

Ein wirklich lohnenswertes Hörbuch, das meiner Erfahrung nach übrigens tatsächlich nicht nur für Frauen unterhaltsam ist, dem ein anständigerer Schuber (das Hörbuch gibt’s in billig wirkendem Pappschuber, aus dem die einzelnen CDs gerne mal raus rutschen) jedoch mehr als gut getan hätte.

Die Buchausgabe gibt es bei

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January 23rd, 2010

Neil Gaiman mag ich ohnehin sehr gern, besonders gern mag ich allerdings seine “Sandman“-Comics. Es wäre jetzt ein bisschen diffus, alle Hefte oder Sammelbände dieser Serie einzeln vorzustellen, darum gibt’s an dieser Stelle quasi vertretungsweise einen kleinen Einblick in “Death – Der Preis des Lebens“.
Zur Erklärung vorab: Dieser Band versammelt Geschichten rund um Death, also den Tod persönlich, der in der “Sandman“-Reihe weiblich ist und im Grunde so gar nicht düster, sondern sehr tiefgründig und liebevoll. Death gehört genau wie die eigentliche Hauptfigur der Serie, Dream alias Morpheus, der Herrscher über das Traumreich, zu den sieben Ewigen. Die sieben Ewigen existieren – wie der Name schon verrät – ewig, ganz gleich, ob man an sie glaubt oder nicht. Neben Dream und Death sind das Destiny (Schicksal), Destruction (Zerstörung), Desire (Verlangen), Despair (Verzweiflung) und Delirium (Wahnsinn).
Vor allem Death ist bei den Lesern aber so beliebt, dass sie einen eigenen Comicband bekam, der 2004 bei Tilsner (Speedcomics) erschien, soweit ich weiß, aber mittlerweile schon nur noch gebraucht erhältlich ist.

death

Der sechzehnjährige Sexton hat die Nase von allem voll. Es ist nicht einmal so, dass er viele Probleme hätte, ihn vieles nerven würde oder ähnliches, nein, Sexton ist einfach gleichgültig und hat keinen Bock mehr. Wohlüberlegt verfasst er einen Abschiedsbrief am PC, absolut entschlossen, seinem Leben ein Ende zu setzen.
Seine Pläne werden jedoch von seiner Mutter Sylvia zunächst auf Eis gelegt, denn diese hat in einem manischen Anfall nichts besseres zu tun, als gut gelaunt die Wohnung zu putzen. Dieses Vorhaben geht sie derart bester Laune an, dass Sexton seine bisherigen Ergüsse auf dem PC abspeichert und das Haus verlässt, bis der Putzwahn sich gelegt hat – schließlich hat er es auch nicht allzu eilig, sein Vorhaben zu sterben in die Tat umzusetzen.
Auf einer Müllhalde rutscht er schließlich aus und gerät unter einen Kühlschrank. Ein fremdes Mädchen rettet ihn aus der misslichen Lage und da er ohnehin nicht viel besseres zu tun hat, begleitet er sie nach Hause. Dort macht er sich aber bald aus dem Staub, als er erkennt, dass das fremde Mädchen im Gothic-Outfit mit Zylinder auf dem Kopf offenbar nicht ganz richtig im Kopf ist – oder besser gesagt: Er versucht, sich aus dem Staub zu machen.
An der Haustür wartet jedoch bereits eine uralte Obdachlose auf ihn, die ihn mit einer abgebrochenen Glasflasche in der Hand zum Rückzug zwingt und völlig unfreiwillig befindet sich Sexton plötzlich in einer Geschichte, in der das fremde Mädchen, das sich für den Tod hält, scheinbar immer guter Dinge ist, alles von den Leuten geschenkt bekommt, der angeblich mehrere Hundert Jahre alten Obdachlosen verspricht, deren Herz zu suchen und schließlich zusammen mit Sexton von einem Eremiten entführt und eingesperrt wird.
Sexton versteht die Welt nicht mehr.

Die “Sandman“-Reihe ist bekannt dafür, auf einem Niveau zu agieren, das viele einem Comic (hier besser: Graphic Novel) von vornherein absprechen wollen. Sie ist aber auch bekannt dafür, Sinnfragen zu stellen und auf ihre Art und Weise zu erklären, ist fantasievoll, mystisch, traurig, erhebend und dramatisch – alles das und viel mehr zugleich. Was meist jedoch vorherrscht, ist die Schwere, das Düstere des Ganzen. Nicht so bei Death.
Death hält sich nicht für den Tod, sie ist der Tod, wie Leser der Serie längst wissen, doch mit den Erzählungen über den Tod, mit dem Gerippe mit Sense, hat sie nichts gemein. Alle hundert Jahre kommt das vermeintliche Mädchen, das so alt ist wie die Zeit, zu den Menschen und verbringt einen Tag als Sterbliche, um das Leben und das, was es zu bieten hat, stets mit Achtung zu behandeln. Nie soll sie vergessen, wovon sie die Lebewesen trennt, wenn sie sie abholen kommt. Und Death weiß das zu schätzen. Sie ist unbekümmert und immer freundlich, achtet auf die kleinen Dinge des Lebens, bedankt sich für alles und sorgt mit ihrer scheinbaren Naivität dafür, dass den Menschen, denen sie begegnet, das Herz aufgeht. Das Leben hält so vieles bereit, vor dem man leicht die Augen verschließt – und das erkennt auch Sexton im Verlauf der Geschichte.

Die farbigen Zeichnungen der Geschichte, die sich in mehrere Kapitel aufteilt, sind sehr detailliert und stimmungsvoll. Anders ist dies auf den letzten sechs Seiten des Comicbandes. Dort ist die eigentliche Geschichte längst beendet und stattdessen schließt sich “Death erzählt vom Leben“ an, ein kurzer Aufklärungscomic über HIV, andere Geschlechtskrankheiten und Safer Sex, präsentiert von Death, von einem anderen Künstler gezeichnet. Dieser Comic wurde von der Gesundheitsbehörde bereits als Broschüre herausgegeben und behandelt zweifellos ein wichtiges Thema, zudem scheint Death die ideale Person zu sein – wegen ihrer Lebensaufgabe und zugleich ihrer unbekümmerten Art -, um dieses Thema jemandem nahe zu bringen, dennoch passen sich die eher schwachen schwarzweißen Zeichnungen, der braune Hintergrund sowie der Inhalt nicht in den Comic ein und wirken deutlich deplaziert.

Nicht deplaziert, sondern hübsch gestaltet, dennoch aber überflüssig ist die Einleitung von Tori Amos, in der sich die Sängerin dem Charakter von Death in ihrer Wortwahl anzugleichen versucht mit dem Ergebnis, drei Seiten lang zu reden, ohne dabei irgendetwas zu sagen zu haben.

Insgesamt ist “Death: Der Preis des Lebens“ aber wohl einer der schönsten und zugleich leichtesten Bände der “Sandman“-Reihe, dennoch stören Einleitung sowie der eingebrachte abschließende Aufklärungs-Comic und nehmen dem Buch einiges an Flair.

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January 21st, 2010

Heute mal die Besprechung eines noch recht neuen Titels, Buch sowie Hörbuch sind nämlich erst im November 2009 erschienen:

stadtderverlierer

Daniel Depp ist Drehbuchautor und Produzent. Unter anderem arbeitete er an dem in Cannes nominierten Drehbuch zum Film „The Brave“ von 1997 mit. Dieser – nebenbei bemerkt sehr verstörende Film – war zugleich das Regiedebut von Johnny Depp und der wiederum, kürzlich erst zum zweiten Mal vom People Magazine zum Sexiest man alive gekürt, ist Daniel Depps Halbbruder – die beiden sehen sich übrigens nicht ähnlich.

Das ist auch völlig unerheblich, denn hier geht es ja um die Geschichte „Stadt der Verlierer“. Die spielt in L.A., rund um Hollywood also, und das Filmgeschäft spielt auch eine große Rolle der der ganzen Sache.

David Spandau ist Privatdetektiv, seit er seine kurze Karriere als Stuntman an den Nagel gehangen hat. Sein neuer Auftrag lautet, Bobby Dye, einen derzeit schwer angesagten jungen Schauspieler zu beschützen, denn dieser hat aus Zeitungsschnipseln zusammengesetzte Morddrohungen erhalten.
Spandau bemerkt schnell, dass diese Drohungen gefälscht und nicht der wahre Grund für Bobby Dyes Ängste sind. Der junge Mann wird vom Clubbesitzer und Dealer Richie Stella erpresst und Spandau fragt sich, was Stella gegen Bobby Dye in der Hand hat …

Gelesen wird die gekürzte Fassung von Schauspieler Michael Kessler, der jederzeit genau den richtigen Ton für diese Geschichte und die einzelnen Charaktere trifft.

Im Grunde passt dieser Roman hervorragend zur Schwarzen Serie aus den 30er- und 40er-Jahren. Der klassische Hardboiled-Detective, eine Art Cowboy – in Depps Geschichte durch Spandaus Interesse am Rodeo nochmals unterstrichen, eigene Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit, entsprechend auch Aktionen abseits der Norm, zwielichtige Gestalten und solche am Rande des Abgrunds: eben typisch für diese Form des Krimis.
Stadt der Verlierer“ ist aber nicht einfach ein Roman in einer bestimmten Krimitradition – so reizvoll diese auch sein können -, sondern es ist zugleich eine sehr moderne Geschichte. Der Fall vom Abgrund aus ist hier ein sehr viel tieferer, denn das Ganze spielt am Rande der Welt von Glamour, Stars und Sternchen, und auch die Charaktere sind modern. Spandau beispielsweise arbeitet nicht auf eigene Faust, sondern für eine Agentur, einer seiner Freunde ist absoluter Fan von Tolkien und dessen Herrn der Ringe, und so kommen ein typischer Krimi, moderne Elemente und jede Menge Skurrilitäten zusammen und bilden ein sehr unterhaltsames, tragisches, aber immer wieder auch sehr komisches, Ganzes. Dabei bleiben Depp – und zugleich Michael Kessler als Vortragender der Geschichte – stets auf dem Teppich. Der Roman und seine Charaktere kippen nicht übermäßig auf die eine oder andere Seite, und so ist die Geschichte zwar voller Klischees, aber dennoch sehr glaubwürdig.

Die Hörbuchkürzungen beziehen sich übrigens in erster Linie auf Spandaus Hintergrund, auf seine Beziehung zu seiner Exfrau und dessen Familie. Alles Aspekte, die der Figur Spandau noch mehr Tiefe verleihen, die aber – so beweist das Hörbuch – tatsächlich durchaus entbehrlich sind.

Was mich freut ist, dass Daniel Depp derzeit an einem zweiten Roman mit David Spandau arbeitet. Das könnte eine tolle Krimireihe werden, der Start dazu ist sehr vielversprechend!

Buch und Hörbuch gibt es beispielsweise bei
zu kaufen oder bei als Download.

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January 19th, 2010

Ehrlich, wirklich ganz ehrlich und ohne gekreuzte Finger hinter dem Rücken: Ich mag diese Schicksalsromane nicht. “Ohne meine Tochter” als Neuerscheinung damals, klar, das habe ich auch gelesen (gibt es eigentlich Leute, die es nicht gelesen haben?), aber ansonsten mache ich um diese “Berichte” einen großen Bogen.
Eines ist mir dann doch mal in die Finger gekommen, und das fand ich derart packend, dass es den Kamellen zuliebe sogar seinen Weg hier auf die Webseite findet:

jadie

Hinweis vorweg: In dieser Besprechung wird ausnahmsweise stark gespoilert, aber meiner Meinung nach lohnt die Lektüre auch nach dem Lesen der Kritik noch!

Die Psychologin Torey Hayden entschließt sich aus einer Laune heraus, ihren sicheren Arbeitsplatz an einer großen Klinik aufzugeben, um eine Stelle auf dem Land anzunehmen. Dem kleinen Ort fehlt es an einer Lehrbetreuung für die Sonderschulklasse, und obwohl die Arbeit schlechter bezahlt ist, in einem wirklich kleinen Ort liegt und Torey auch sonst auf einige Annehmlichkeiten wird verzichten müssen, reizt sie das Angebot.
Die Klasse besteht nur aus vier Kindern, später aus fünf. Darunter befindet sich nur ein einziges Mädchen: Jadie.
Torey Haydens Promotionsthema war psychologisch bedingter Mutismus, also Stummheit, und so ist es dieses Mädchen, das Torey besonders am Herzen liegt. Durch ihre selbst entwickelte Methode, mutistische Kinder zum Sprechen zu bringen, schafft sie es tatsächlich binnen weniger Tage, Jadie die ersten Aussagen zu entlocken.
Die Lehrerin wird zu einer engen Bezugsperson von Jadie und immer häufiger besucht das Mädchen sie auch nach Schulschluss noch, kommt ihr näher und vertraut ihr immer mehr an.
Durch diese immer vertrauteren Gespräche bringt Torey nach und nach allerdings eine unglaubliche Geschichte ans Licht: Jadie wird regelmäßig von einem Satanskult missbraucht, der auch vor ihren Geschwistern nicht Halt macht, Jadies Katze in ihrem Beisein tötete und nach Jadies Aussage sogar ein befreundetes Mädchen.
Torey ist entsetzt, beginnt aber auch an Distanz zu verlieren und ohne Beweise steht eine solche Geschichte in einem Ort, in dem jeder jeden kennt, sehr schlecht da. Kampflos aufgeben will sie aber auch nicht …

Dieser Bericht der Psychologin selbst ist unglaublich spannend geschrieben. Zwar kommt der Leser recht schnell auf einen Missbrauchshintergrund, da schwere psychologische Schädigungen ja eine Ursache haben müssen und sowohl Jadies Mutismus, ihre Körperhaltung und auch ihre sexuellen Andeutungen weisen einen klaren Weg, doch auf die Geschichte mit dem Satanskult ist der Leser nicht vorbereitet und daher sehr erschüttert.

Interessant, wenn auch für einige möglicherweise abschreckend, ist der Aspekt, dass diese Geschichte niemals aufgelöst wurde. Zwar wurden schließlich entsprechende Ämter und die Polizei eingeschaltet und umfangreiche Untersuchungen vorgenommen, doch konnte der Wahrheitsgehalt von Jadies Aussagen nie klar bewiesen werden. Umgekehrt gab es zwar auch starke psychotische Anzeichen bei dem Kind, die die Vermutung nahelegen, Jadie habe das alles nur phantasiert, aber auch dies ließ sich nie beweisen und bei beiden Versionen gibt es sowohl gute Punkte, die dafür sprechen, jedoch auch ebenso viele dagegen.
Unbefriedigend ist dieses Ende der Geschichte trotzdem nicht, denn das gesamte Buch hindurch wird der Leser selbst von einer Annahme zur nächsten geschleudert, werden Theorien aufgestellt, die sich als haltlos erweisen und so weiter. Von daher ist man auf einen ungelösten Fall in etwa vorbereitet und letztlich nimmt diese Tatsache dem Buch nicht die Berechtigung, sondern verstärkt sie eigentlich umso mehr. Ist es richtig, frühzeitig schon im Verdachtsfall an die Öffentlichkeit zu gehen oder sollte man Rücksicht auf die Schäden nehmen, die man vielleicht in einer intakten Familie anrichten könnte?
Gerade Fälle, die Kinder betreffen und bei denen sich psychiatrische Erkrankungen und Missbrauchserfahrungen möglicherweise vermischen, sind längst nicht so leicht abzuhandeln, wie es einem die Boulevard-Presse oftmals einzureden versucht. Ein Versuch, differenzierter an solche Angelegenheiten heranzugehen und sie entsprechend zu reflektieren und zu bedenken, bietet dieser Roman.

Insgesamt ein wirklich gelungener Roman, dessen Spannungspegel dicht an einen Thriller reicht, der sich aufgrund seiner detaillierten Ausführungen allerdings nicht unbedingt für Zartbesaitete eignet.

In gebrauchter Form gibt’s das Buch auch noch bei

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January 17th, 2010

Dieses Buch flatterte passend zum NaNoWriMo 2009 in mein Bücherregal, weil ich dachte, es sei vermutlich eine Art perfekter Lesebegleiter parallel zum Schreibwahn:

dramaturgie_willett

Der Klappentext des Buches ist nett aufgemacht, und zwar ist er in typischer Schreibmaschinenoptik getippt und mit – natürlich gedrucktem – Rotstift korrigiert. So lautet die erste Zeile beispielsweise „Wer nicht schreiben kann, muss fühlen“, doch das Fühlen wurde durchgestrichen und in großen, handschriftlichen Buchstaben ersetzt durch „Sterben!“ Das passt wunderbar zur Handlung, die sich wie folgt gestaltet (Klappentext):
„Wer nicht schreiben kann, muss fühlen.
Seit 30 Jahren hat Amy Gallup keinen Roman mehr veröffentlicht. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, gibt sie Schreibseminare. Dieses Semester entwickelt sich der Kurs allerdings in eine beunruhigende Richtung: Einer der Teilnehmer mokiert sich anonym und auf äußerst verletzende Weise über seine Mitschüler und beginnt, sie durch zunehmend gefährlichere Streiche zu terrorisieren. Schließlich wird einer der Schüler ermordet. Und Amy fragt sich: Wer aus der harmlosen kleinen Gruppe ist fähig, einen Menschen wegen eines schlechten Manuskripts zu töten?“

Der Klappentext weist eigentlich schon darauf hin, dass es sich bei „Dramaturgie des Tötens“ nicht um einen bierernst zu nehmenden Kriminalroman handelt.
Die Kapitel sind nach den Stunden des Schreibkurses mitsamt Untertitel benannt, also beispielsweise „Erste Stunde – Die Liste“, „Zweite Stunde – Dinge erfinden“, „Dritte Stunde – Veranschaulichen versus Behaupten“ und so weiter. Das ist nett gemacht, nicht so allerdings das allererste Kapitel. Das Buch beginnt nämlich mit einem Tagebucheintrag des Mörders, ist voller derber Ausdrücke und trägt den Titel „Die fette Sau“. Ein ziemlich krasser Einstieg für ein insgesamt doch sehr seichtes Buch, der sicherlich schon einige Leser verprellen dürfte.

Insgesamt stehe ich dem Buch ein wenig zwiegespalten gegenüber. Die Idee des Romans und vor allem die Aufteilung nach den einzelnen Workshop-Stunden eines Schreibkurses ist wirklich nett. Die Infos zum Schreiben selbst sind fundiert und Willett hat ein erstaunliches Talent, unterschiedliche Stile bis hin zu Kardinalfehlern beim Schreiben zu imitieren und somit aufs Korn zu nehmen. Das ist erkennbar und einigermaßen lustig, hat zumindest mich allerdings auch nicht ein einziges Mal laut lachen lassen. Derart lustig beziehungsweise satirisch, wie das Buch gern gesehen werden möchte, ist es einfach nicht.

Am erstaunlichsten ist eigentlich, dass die Autorin unheimlich viel Kenntnis über das Schreiben hat – man merkt, dass sie Kurse zum Thema gibt -, diese Kenntnisse aber selbst nicht so recht umsetzen kann. Sie sieht also Fehler und kann sie aufs Korn nehmen, ist zugleich jedoch nicht davor gefeit, sie selbst zu begehen.
Dem Buch fehlt die Spannungskurve, abgesehen von der Protagonistin bleiben alle anderen Figuren blass und man verwechselt den einen beim Lesen schon mal mit einem anderen, die Motive des Mörders sind schwach, austauschbar und die leichte Anlehnung an den Stil von Filmen wie der „Scream“-Reihe offensichtlich und sehr gewollt. Hinzu kommt, dass die eingebrachten Aufsätze zu vorgegebenen Themen, die die einzelnen Workshopteilnehmer anfertigen sollen, weniger lustig sind als vielmehr langatmig und Seiten füllend.

Kann man lesen, muss man aber nicht, zumindest mit allzu großer Erwartungshaltung sollte man nicht an den Roman herangehen. Ich fand ihn im Ganzen recht schnöde.

Kaufen kann man ihn beispielsweise bei

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January 15th, 2010

chirurgin

Dieser Titel ist insgesamt schon älter, das Taschenbuch erschien im Limes-Verlag schon 2002, das Hörbuch ist allerdings noch deutlich frischer. Es erschien als fünftes Hörbuch im Rahmen der „Starke Stimmen“-Reihe der Brigitte im September 2009 mit einem Umfang von 4 CDs. Dabei handelt es sich um eine gekürzte Fassung und das Ganze hat eine Laufzeit von 296 Minuten.

Catherine Cordell ist Chirurgin in Boston und steht ein bisschen auf wackligen Füßen, denn vor zwei Jahren wurde sie brutal vergewaltigt und überlebte nur knapp, weil sie sich befreien konnte und den Täter erschoss. Seitdem versucht sie, die Geschehnisse zu vergessen und in Boston neu anzufangen.
Das gelingt ihr auch – bis die Polizei schließlich vor ihr steht. Es wurden Morde verübt, die denen vor zwei Jahren erschreckend gleichen, und Catherine Cordell soll der Polizei bei der Aufklärung des Falls helfen. Nicht nur, dass sie somit das zurückliegende Trauma noch einmal an die Oberfläche holen muss, im Verlauf gerät sie sogar selbst unter Verdacht. Denn wer sollte die Morde derart exakt kopieren können, obwohl nicht alle Details durch die Medien gingen? Der Mörder ist tot – erschossen von der Chirurgin, die damit zugleich auch die einzige Überlebende der damaligen Ereignisse ist.
Nach und nach sieht es jedoch nicht so aus, als sei Catherine Cordell eine Bedrohung, sondern eher so, als stünde sie am Ende der Mordopferliste. Detective Thomas Moore ist fest entschlossen, sie zu schützen …

Ich muss vorweg erst einmal gestehen, dass dieses Hörbuch meine erste Begegnung mit Tess Gerritsen war, auch wenn ich schon über sie und ihre Bücher gehört hatte. Darum war ich offen gestanden auch ziemlich verwirrt, was den Buchtitel angeht und auch der Zuordnung zur „Maura Isles und Jane Rizzoli“-Reihe.
Tatsächlich wird der unbekannte Täter die ganze Zeit hinweg als „der Chirurg“ bezeichnet und Catherine Cordell ist zwar Chirurgin, aber eben Opfer oder Tatverdächtige, weshalb ich den Titel nicht ganz so ideal gewählt fand.
Die beiden eigentlichen Protagonistinnen Maura Isles und Jane Rizzoli hingegen kommen erstaunlich kurz, und hätte ich nicht gewusst, dass sich um diese beiden Damen eine Reihe von Tess Gerritsen rankt, wäre ich offen gestanden nicht darauf gekommen.

In erster Linie dreht sich die ganze Geschichte nämlich um Catherine Cordell und spielt tatsächlich auch zu großen Teilen in deren Perspektive, ein weiterer Großteil geht an Detective Thomas Moore.
Nachdem ich mit ein paar Leuten gesprochen habe, die Gerritsens Bücher von „Die Chirurgin“ an leidenschaftlich gerne lesen, kann ich diesen Eindruck wohl auf die Hörbuchkürzungen schieben. Belassen wurden natürlich die zentralen Probleme, zu denen vor allem Cordells psychische Verfassung und ihre Vergangenheitsbewältigung gehören, aber auch der sie retten wollende Thomas Moore. Natürlich spielen dabei große Gefühle eine Rolle, obwohl auch Moore noch einiges auf diesem Sektor aufzuarbeiten hat, aber es sollte oder soll eben auch ein bisschen hollywoodlike sein.
Das alles wirkt auch rund und stimmig, bis man sich eben zu wundern beginnt, wo Isles und Rizzoli denn wohl stecken. Diese haben in der Romanvorlage nämlich wohl einen deutlich größeren Part, der die Benennung dieser Thrillerreihe nach ihnen auch rechtfertigt, in der Hörbuchfassung aber leider zu großen Teilen der Schere zum Opfer gefallen sind.
Tauchen sie doch einmal auf, wirkt Maura Isles auf den Hörer als unscheinbare Figur aus dem Hintergrund, Jane Rizzoli hingegen sehr unsympathisch und streitlustig. Letzteres ist nicht ganz so verdient, da Rizzoli zwar durchsetzungsstark und geradeheraus ist, allerdings nicht der misantrophische Typ, als der sie im Hörbuch verbleibt und zu ihren Ungunsten von Sprecherin Claudia Michelsen auch noch betont wird.

Insgesamt lohnt sich dieses Hörbuch also vor allem dann, wenn man mit Tess Gerritsens Werken, speziell mit dieser Reihe, noch nicht vertraut ist. In dem Fall ist das Ganze spannend zu hören, sehr souverän und angenehm vorgetragen und wirklich kurzweilig.
Wer die Romanvorlage schon kennt, sollte beim Hörbuch vielleicht besser dankend ablehnen, denn es scheint doch so einiges für Fans relevante herausgekürzt worden zu sein.

Dieses Hörbuch könnt ihr bei

kaufen oder via



downloaden.

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January 13th, 2010

Wenn es auch nicht als erstes Buch von sieben geschrieben wurde, so berichtet dieser Teil der Narnia-Chroniken doch davon, wie alles anfing. Gelesen von Philipp Schepmann steht dieser Teil auch als ungekürzte Hörbuchproduktion mit vier CDs und einer Gesamtlaufzeit von viereinhalb Stunden zur Verfügung.

narniawunder

Digory lebt bei seinem Onkel und seiner Tante, weil seine Mutter schwer krank ist und vielleicht sterben wird. Als er todtraurig durch die Gegend schlendert, macht er die Bekanntschaft von Polly und die beiden freunden sich rasch an. So rasch, dass sie sich sogleich gemeinsam auf machen und durch einen geheimen Gang über die Dachböden der Stadt stöbern.
Plötzlich endet ihre Reise im geheimen Arbeitszimmer von Digorys Onkel Andrew und dieser schickt Polly mit einer List in eine andere Welt. Digory hingegen bleibt nichts übrig, als ihr zu folgen, um sie zurück zu holen.
Doch einmal in einer fremden Welt gelandet, erwacht die Abenteuerlust in den Kindern und sie wollen erkunden, welche Welten es sonst noch zu entdecken gibt. Doch gleich bei der ersten treffen sie auf eine Hexe, die Digory unabsichtlich aus einem langen Schlaf erweckt. Von diesem Moment an folgt die Hexe den Kindern, zuerst in deren eigene Welt, dann in eine Welt, die gerade erst entsteht.
Während die Kinder dort der Schöpfung durch den Löwen Aslan beeindruckt zusehen, sind ihre Begleiter, die Hexe und mittlerweile auch Onkel Andrew, von dem Wunsch beseelt, diese Welt zu beherrschen und durch sie reich zu werden.
Da Digory die Hexe erweckte, ist es nun an ihm, einen Schutz für das neue Land Narnia aufzubauen …

Den Narnia-Chroniken werden vielfach christliche Allegorien nachgesagt, und in keinem Teil sonst kommt dies wohl so intensiv zur Geltung wie in diesem, in dem eine Welt und alles, was sie beherbergt, von Grund auf neu entsteht.
Davon abgesehen sind die Narnia-Chroniken noch immer märchenhaft und in erster Linie Geschichten für Kinder.

Dass dem so ist, merkt man bei dieser Hörbuchproduktion nicht nur an dem ungekürzten Text des Autors, sondern auch an der Interpretation des Sprechers. Wie auch sonst bei Philipp Schepmann sind die Charaktere gut betont und erhalten einen eigenen Charakter, ohne gekünstelt zu wirken oder überbetont zu werden.
In diesem Teil jedoch hat man sich einiger Kniffe bedient, etwa um die Ansammlung von neu erschaffenen Tieren authentisch wirken zu lassen. So wurde Herr Schepmanns Stimme mehrfach übereinander gelegt, um den Eindruck einer Gruppe entstehen zu lassen und das eine oder andere Mal ist ein Nachhall zu vernehmen.

Gerade bei den Szenen mit den Tieren hat man allerdings recht dick aufgetragen. Ist der Text in diesen Szenen schon deutlich als an Kinder gerichtet zu erkennen, machen die Betonungen und eben erwähnten eingesetzten Kniffe diese Stelle zu etwas eher Albernem. Zwar hat man es gut gemeint, doch entsteht ein Zuviel von allem – Stimmen, Betonung, Lautstärke – in diesen Situationen, was leider auch rasch wirklich störend wirkt.

Die Aufmachung des Hörbuches wiederum ist sehr gelungen. Nicht nur, dass die CDs in einer stabilen Plastikbox untergebracht wurden, sondern wie auch das Cover des Hörbuches selbst wurden auch das Booklet und die CDs bedruckt. Durch das kräftige Rot und den Löwenkopf entsteht ein recht edles Aussehen.
Das Booklet selbst ist vierseitig und eher enttäuschend. Zwar finden sich dort in aller Kürze Informationen zum Autor und zum Sprecher, die einzelnen Tracks und ihre Laufzeit sind aufgeführt, der Rest wird jedoch ausschließlich zur Werbung genutzt.

Insgesamt ein nettes Märchen, größtenteils sehr gut als Hörbuch umgesetzt, das sich vor allem an Kinder richtet, aber auch für Erwachsene interessant sein kann. Zu beachten ist, dass der Bezug auf die christliche Religion gerade in diesem Teil sehr stark vorhanden ist, was die einen eher anziehen wird, die anderen aber eher für sich ablehnen.

Dieses Hörbuch – und natürlich auch die anderen sowie die Buchvorlagen gibt’s beispielsweise bei zu kaufen.

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January 11th, 2010

Genug geputzt und dekoriert: Jetzt geht es ab in den Schrank! Ende 2005 wurden mitten im “Narnia-Hype” so einige Bücher auch über Narnia veröffentlicht. Eines davon ist “Hinter dem Wandschrank“, ein Hardcoverbuch mit 127 Seiten.

wandschranknarnia

Eingangs beschäftigt sich der Band eher allgemein mit den Ursprüngen und mythologischen Wurzeln, die “Die Chroniken von Narnia“ beinhalten, dann erfolgt zunächst eine Biografie des Autoren Clive Staples Lewis.
Das Kapitel “Die Geschichte“ stellt die drei Möglichkeiten vor, die Bände zu lesen: in der Reihenfolge, in der sie geschrieben wurden, in der Reihenfolge, in der sie veröffentlicht wurden oder in der Reihenfolge, in der Lewis sich wünschte, dass die Bände gelesen würden. In diesem Kapitel werden außerdem die alternativen Titel der Bände vorgestellt, über die Lewis nachdachte, und ein grober inhaltlicher Abriss der einzelnen Bände wird dem Leser ebenso gegeben.
“Die magischen Lande von Narnia“ ist im Sinne eines Reiseführers wohl als eines der wichtigsten Kapitel zu sehen. Hier lernt der Leser mehr über das berühmte Laternendickicht oder Narnias Nachbarn, etwa Archenland oder Kalormen.
“Nach Narnia … und zurück“ beschreibt verschiedene Möglichkeiten, nach Narnia zu gelangen, so wie sie in den einzelnen Teilen nachzulesen sind. Doch auch der Rückweg sollte gesichert sein, weshalb auch dieser Teil des Kapitels ist. Abschließend steht eine gezeichnete Zeittafel, die Ereignisse in der realen Welt und parallel dazu solche in Narnia, gegenüberstellt.
Bekannte Figuren wie Digory Kirke, Polly Plummer, Onkel Andrew Ketterly und die Pevensie-Kinder werden im Kapitel “Narnias Besucher“ genauer vorgestellt, wobei sich die Informationen jedoch nicht nur auf die Charaktere selbst beziehen, sondern auch auf Einflüsse, durch die Lewis eben diese Charaktere entwarf.
Im Kapitel “Das Volk und die Kreaturen Narnias“ wird erneut Bezug auf die in “Die Chroniken von Narnia“ vorhandene Mythologie genommen. An dieser Stelle werden auch die “Guten“, also beispielsweise Aslan, die Biber, das Mädchen Aravis, der Faun Tumnus oder der Adler Weitsicht beschrieben, ebenso aber auch die “Bösen“ wie die weiße Hexe Jadis, der Wolf Maugrim oder Tisroc, der Herrscher von Kalormen.
Das letzte Kapitel, “Und es geht weiter …“ befasst sich mit neueren Auflagen der Chroniken, mit Fanfiction, also von Fans der Chroniken erstellte Bilder und Geschichten, und natürlich auch mit der Verfilmung von “Der König von Narnia“, der Ende 2005 in die Kinos kam.

Der Informationsgehalt des Buches ist enorm und lässt mit Sicherheit jedes Herz eines Narnia-Fans höher schlagen. Die Themen sind sehr sorgsam ausgesucht und neben dem ansprechenden, leicht verständlichen und gut strukturierten Text sind es auch die zahlreichen Illustrationen und fotografischen Abbildungen, die das Buch zu etwas machen, das man gern in der Hand hält, liest oder einfach nur betrachtet. Selbst die Farbwahl ist auffällig, bei der dunkle Farben nur in wichtigen Informationsbalken zu sehen sind und der Rest sich vorwiegend heller und freundlich wirkender Töne bedient.

Wer den Wunsch hegt, mehr über Narnia zu erfahren, alles über Narnia auf einen Blick zu haben oder überlegt, dieses Buch zur Vervollständigung einer Sammlung anzuschaffen, sollte zugreifen. Es ist im Grunde unerheblich, aus welchem Beweggrund man dieses Buch kauft, denn es ist so gut gemacht, dass man mit einem Kauf meiner Meinung nach eigentlich nichts falsch machen kann.

Dieses Buch bekommt ihr direkt beim >>>Brendow-Verlag<<<.

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